In einem von unse­rer Kanz­lei bean­trag­ten Eil­ver­fah­ren hat der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg am 11.05.2020 ent­schie­den, dass die Beschrän­kung des Kita-Betriebs durch die Coro­na-Ver­ord­nung der Lan­des­re­gie­rung ver­fas­sungs­kon­form sei.

Der von Rechts­an­wäl­tin Frau Dr. Buur­man ver­tre­te­ne Hei­del­ber­ger Antrag­stel­ler, der zwei Kin­der im Kin­der­gar­ten­al­ter hat, hat­te gel­tend gemacht, dass die Kita­schlie­ßung zu erheb­li­chen Betreu­ungs­pro­ble­men und zur Beein­träch­ti­gung sei­ner Berufs­aus­übung füh­re. Die Arbeits­si­tua­ti­on sei schwie­rig, ins­be­son­de­re Tele­fo­na­te, Schreib­ar­bei­ten am Com­pu­ter und Kun­den­ge­sprä­che im Büro oder bei aus­wär­ti­gen Ter­mi­nen sei­en kaum mit der Betreu­ung von Klein­kin­dern zu ver­ein­ba­ren. Das gleich­zei­ti­ge Arbei­ten und Erzie­hen ver­ur­sa­che ein hohes Belas­tungs- und Kon­flikt­po­ten­zi­al. Der Antrag­stel­ler berief sich auf die grund­recht­lich geschütz­te Berufs­aus­übung und die all­ge­mei­ne Hand­lungs­frei­heit, auch fol­ge aus Art. 6 GG eine Schutz- und För­der­pflicht des Staa­tes. Der Eil­an­trag hat­te die Außer­voll­zug­set­zung der durch die Coro­na-Ver­ord­nung ver­füg­ten Kita­schlie­ßung zum Ziel.

Der VGH Mann­heim wies den Nor­men­kon­troll­ei­lan­trag in einem 18-sei­ti­gen Beschluss mit dem Argu­ment zurück, dass die Schlie­ßung von Kitas im Infek­ti­ons­schutz­ge­setz aus­drück­lich vor­ge­se­hen sei und die Maß­nah­me auch im Übri­gen mit dem Ver­fas­sungs­recht in Ein­klang ste­he. Grund­rech­te des Antrag­stel­lers sei­en nicht ver­letzt. Die Schlie­ßun­gen der Kin­der­ta­ges­stät­ten sei­en ver­hält­nis­mä­ßig. Durch Not­be­treu­ung und wirt­schaft­li­che Hilfs­pro­gram­me wür­den die Fol­gen für die Fami­li­en abge­fe­dert.

Dabei setz­te sich der VGH nicht mit dem Argu­ment aus­ein­an­der, dass durch die Kita­schlie­ßun­gen nicht nur Eltern­rech­te, son­dern auch Kin­der­rech­te erheb­lich ver­letzt wer­den. Die hohe Bedeu­tung von sozia­len Kon­tak­ten, gemein­sa­men Spie­len mit Gleich­alt­ri­gen sowie gemein­sa­me Lern­pro­zes­se in der Kita wer­den, so die Begrün­dung des Eil­an­trags, Kin­dern der­zeit unrecht­mä­ßig vor­ent­hal­ten. Die Schlie­ßung von Kitas ver­schär­fe die Bil­dungs­un­ge­rech­tig­keit und sei – zumin­dest für eine so lan­ge Dau­er – nicht mehr als ver­hält­nis­mä­ßig zu qua­li­fi­zie­ren.

Nun wird der (unan­fecht­ba­re) Beschluss des VGH Mann­heim über­prüft, ins­be­son­de­re auch im Hin­blick dar­auf, ob in der Sache eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de ein­ge­reicht wird.